26. April 1944 Liebe Mutter, Ich kann Dir leider nicht sagen, wo ich bin. Momentan bin ich ein Gefangener, und in Amerika. Was ich sagen kann ist, daß es hier viel warmer als in Deutchland ist. Ich sehe einen wundershönen Ozean, morgens geht die liebe Sonne auf dann weilen meine Gedanken nach Hause. Wir stehen um 5:45 Uhr auf und um 10:00 Uhr Abends gehts ab ins Bett. Am Tag über müssen wir arbeiten. Als Gefangene bekommen wir eine Arbeit zugewiesen. Unsere Gruppe arbeitet in einem Altersheim, daß Welch heißt. Ein paar Kameraden und ich arbeiten dort schon über ein Jahr. Andere Kameraden arbeiten in einer Stahlfabrick. Ich habe gehört, daß wir ungefähr 400.000 Gefangene sind; wir sind überall in Amerika verteilt. Es sollen ungefähr 500 Gefängnisse geben. Ich weiss aber nicht, ob alle Gefangene arbeiten müssen. Ich glaube die Amerikaner haben viel damit zu tun, uns zu registrieren, zu füttern und uns in Zeug zu halten. Das Essen ist nicht schlecht, aber nichts ist so gut wie Dein Schnitzel. Möchte Euch mitteilen, daß wir hier Unterricht bekommen, die Amerikaner wollen uns beibringen, wie man in einer Demokratie lebt. Ich lerne gerne, halte meine Ohren auf, aber das weisst Du ja. Auch haben wir ein Paar Abendklaßen. Wir können studieren was wir wollen, von Englisch bis zum Ingenieur. Es hat sich eine Theatergruppe gebildet, sowie ein Orchester und natürlich Fußball. Ich denke, ich möchte eine Klasse unterrichten, oder eine Gefängniszeitung herstellen. Du weißt ja, ich laß so gerne in unserer Zeitung. Letzte Woche haben wir Geburtstage von allen Gefangenen gefeirert, die im April geboren sind. Ich habe ein Stück Kuchen an meinem 19. Geburtstag gegeßen. Der Kuchen war gut, aber ich wäre lieber zu Hause mit Dir und meiner Kleinen Schwester. Gestern habe ich ein kleines Mädchen gesehen, die mich sehr an meine Schwester Jutta erinnerte. In Gedanken umarme ich Euch alle. Erzähle den Rest der Familie, daß ich gut aufgehoben bin. In der Hoffnung, daß ich bald nach Hause komme, verbleibe ich.  In Liebe, Euer Sohn Wolfgang
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